d-seite |
DaF für Erwachsene |
| ViS Start | Einführung | Hinweise | 200 Verben | Verben im Satz | Wortfelder | ATL | | |
Welche Rolle spielen die Verben im Satz? Hier finden Sie eine systematische Einführung mit vielen Beispielen.
Um einen Satz zu bilden, braucht man mindestens zwei Wörter: ein Nomen oder Pronomen im Nominativ und ein Verb:
Lisa telefoniert. - Jörg schläft. - Hunde bellen. - Wir lachen. - Es regnet.
Zu solchen Sätzen braucht man nicht viel zu erklären, man kann nicht viel falsch machen. Das Nomen/Pronomen steht in der normalen Form, wie man es gelernt hat - also im Nominativ (Singular oder Plural). Wichtig ist nur, das Verb in die richtige Form zu setzen - also in die Form, die zum Nomen/Pronomen passt:
ich lache
du lachst
er/Jörg lacht
...
(Wenn ein Lerner an diesem Punkt noch Probleme hat - d.h. wenn er das Konzept Person nicht gut versteht -, muss er sich als Erstes zu diesem Thema informieren. Es ist die Basis für alles andere in der Verbgrammatik. Oft ist es dabei nützlich, einen Vergleich mit der eigenen Sprache zu machen. Verschiedene Verbformen für verschiedene grammatische Personen gibt es in vielen Sprachen.)
Die meisten Sätze, die wir bilden, sind länger als diese ersten Beispielsätze. Erstens wollen wir oft noch Angaben für Zeit oder Ort usw. ergänzen:
Lisa telefoniert seit zwei Stunden.
Das Kind schläft im Schlafzimmer der Eltern.
Aber diese Möglichkeit interessiert uns hier nicht, weil solche Angaben nichts mit dem Verb zu tun haben. Man kann sie prinzipiell mit jedem Verb kombinieren. Uns interessieren solche Sätze, die länger sein müssen, weil das Verb es verlangt. Zum Beispiel kann man mit dem Verb schenken keinen 2-Wort-Satz bilden:
Lisa schenkt.
Wenn man nicht noch andere Wörter verwendet, hat der Satz keinen Sinn. Also:
Lisa schenkt ihrem Freund ein neues Rasierwasser.
Für Deutschlerner ist das noch kein großes Problem. Dass man schenken mit Subjekt plus zwei Objekten verwenden muss, sagt einem die „Logik“, dazu braucht man keine Regeln. Trotzdem sieht man an diesem Beispiel, wie viel vom Verb abhängt. Wenn doch jemand fragen würde, warum der Satz Lisa schenkt. falsch ist, dann wäre nämlich die einfachste Antwort:
Weil man das Verb schenken immer zusammen mit drei anderen Satzgliedern (dem Subjekt und zwei Objekten) verwenden muss. (Oft formuliert man das so: weil das Verb schenken drei weitere Satzglieder „verlangt“.)
Aber wie gesagt: Fehler wie Lisa schenkt. sind normalerweise nicht das Problem von Deutschlernern. Typische Fehler sind eher solche:
Lisa schenkt ihren Freund ein neues Rasierwasser.
Hier stimmt der Kasus nicht, ihren ist Akkusativ, wir brauchen aber einen Dativ: ihrem Freund. Wenn nun wieder die Frage gestellt würde: Und warum einen Dativ? dann wäre im Prinzip die Antwort die gleiche wie oben: weil das Verb diesen Dativ „verlangt“. Das Verb schenken muss immer mit einem Satzglied im Nominativ (also dem Subjekt: Lisa), mit einem Satzglied im Dativ (dem Dativobjekt für den Beschenkten, also ihrem Freund) und mit einem Satzglied im Akkusativ (dem Akkusativobjekt für die verschenkte Sache, also ein neues Rasierwasser) verwendet werden.
Dabei ist natürlich ganz egal, ob z.B. Subjekt und Objekte als Nomen oder als Personalpronomen realisiert sind. Das Verb verlangt ja nicht die Verwendung bestimmter Wörter, sondern es verlangt, dass die verwendeten Wörter in einem bestimmten Fall stehen. Man kann also unendlich viele Sätze nach dem gleichen Muster bilden - nur die Fälle müssen immer stimmen:
Jörg schenkt seiner Freundin ein Buch.
Der Großvater schenkt dem kleinen Kind eine Tafel Schokolade.
Ich schenke dir eine Kette.
Elsa hat mir ein neues Rasierwasser geschenkt.
Der Chef schenkte jedem seiner Angestellten einen Terminkalender. ...
Das Verb entscheidet also, in welchem Kasus wir die Personen und Dinge präsentieren müssen, über die wir sprechen wollen. Und das ist eigentlich schon alles, was man über die Rolle des Verbs im Satz prinzipiell wissen muss: Wir wählen die Dinge, über die wir sprechen wollen, und das Verb entscheidet, in welche Form wir sie verpacken. (Oder noch etwas genauer: Wir wählen die Dinge und das Verb, aber dieses Verb entscheidet dann, in welchem Kasus die Dinge stehen müssen.). Sehen wir uns dazu weitere Beispiele an.
Wir sprechen über Eva und ihren Freund und das Verb ist lieben. Wie funktioniert das Verb? Seine „Formel“ ist:
lieben + Akk.
(Oder man schreibt einfach: jmdn lieben. Das -n in jemanden zeigt uns den Akkusativ.) Dabei geben wir nicht an, dass auch ein Subjekt im Satz sein muss, weil sowieso (fast) jedes Verb immer zusammen mit einem Subjekt verwendet werden muss. Dieses Subjekt ergänzen wir also jedesmal:
Eva (Nominativ = Subjekt) liebt ihren Freund (Akkusativ).
Zweites Beispiel. Wir sprechen über den Lehrer, die Schüler und die englische Grammatik, das Verb ist erklären. Wie funktioniert das Verb? Die Formel ist:
erklären + Akk. + Dat.
(oder: jmdm etwas (Akk.) erklären - das -m in jemandem zeigt uns den Dativ.) Das Subjekt steht wieder nicht in dieser Formel, wir haben keine Probleme, es selbst zu ergänzen:
Der Lehrer (Subjekt im Nominativ) erklärt den Schülern (Dativ) die englische Grammatik (Akkusativ).
Beispiel 3. Ich spreche über mich und den Bus, das Verb ist warten:
warten + auf + Akk.
(oder auf jmdn/etwas warten):
Ich warte auf den Bus (Akk.).
Wir spielen also immer das gleiche Spiel wie beim ersten Verb schenken: Wir wählen die Inhalte und das Verb diktiert uns dann die Form, also die Fälle, die wir verwenden müssen.
Braucht man wirklich so viel Theorie - und noch dazu so eine merkwürdige Theorie, in der bestimmte Wörter etwas verlangen und diktieren ... - um richtige Sätze bilden zu können? Zu dieser Frage kann man Bücher schreiben. Wir wissen, dass man eine Sprache ohne jede Theorie, ohne Grammatik, ohne Unterricht, ohne Bücher lernen kann. Aber mein Eindruck ist, dass das Lernen für fast jeden Lernertyp einfacher wird, wenn er sich das Prinzip klarmacht, dass Satzstrukturen vom Verb abhängen. Er wird dann z.B. von Anfang an darauf achten, alle nötigen Informationen mit dem Verb mitzulernen: welche Objekte braucht es ...?. Er wird weniger Probleme haben, komplizierte Satzstrukturen zu durchschauen und komplizierte Ausdrücke selbst zu verwenden.
Man sollte aber auch betonen, dass viele Lerner „intuitiv“ die richtigen Kasus mit einem Verb zusammen verwenden oder dass sie schnell bestimmte Muster erfassen, die sich oft wiederholen. Es gibt hier doch eine gewisse „Logik“, für die wir noch ein Beispiel geben. Beim Verb schenken steht der Beschenkte im Dativ. Eine ganz ähnliche Rolle gibt es beim Verb geben. Im Dativ steht hier die Person, die etwas bekommt:
Ich gebe dir ein Taschentuch.
Und ein aufmerksamer Lerner wird bald feststellen, dass auch bei sehr vielen anderen Verben mit Akkusativ- und Dativobjekt immer der Akkusativ für eine Sache steht und der Dativ für eine Person, die irgendwie in das Geschehen verwickelt ist:
Ich zeige dir ein paar Fotos.
Ich erkläre dir die Grammatik.
Ich verspreche dir, dass ich dich bald besuche.
Es gibt also Muster, man braucht nicht für jedes Verb einzeln eine ganz spezielle Struktur zu lernen. Außerdem gibt es natürlich in vielen anderen Sprachen ähnliche Phänomene, so dass man oft einfach aus der Muttersprache übertragen kann, wie das Verb funktioniert.
Wir wissen jetzt: Verben entscheiden, welche Form bestimmte andere Satzglieder erhalten. Bisher haben wir nur von Objekten (inklusive Präpositionalobjekten wie über meinen Lehrer) gesprochen. Viele Verben geben uns aber die Möglichkeit, auch andere Satzglieder anzuschließen, nämlich Infinitivkonstruktionen oder ganze Nebensätze. Vergleichen Sie:
Ich habe Lisas Geburtstag vergessen.
Ich habe vergessen, dass Lisa heute Geburtstag hat.
Ich habe vergessen, Lisa zum Geburtstag zu gratulieren.
Im zweiten und dritten Satz haben wir das einfache Objekt aus dem ersten Satz durch einen Nebensatz bzw. einen Infinitiv ersetzt. Diese Konstruktionen kann man aber nicht schematisch, also für jedes Verb nach dem gleichen Schema machen. Es gibt wieder etwas Lernstoff. Man muss lernen, welche Konstruktion das jeweilige Verb erlaubt. Allerdings bestehen hier nicht sehr viele Möglichkeiten, die wichtigsten sind der dass-Satz und der Infinitiv mit zu. Beim folgenden Verb sind z.B. beide möglich:
Ich freue mich, dich zu sehen.
Ich freue mich, dass du mich besuchen kommst.
Bei anderen Verben geht nur der Infinitiv:
Ich versuche, die Aufgabe zu lösen.
Der Lernende sollte wieder mit jedem Verb mitlernen, ob es die Möglichkeit gibt, Infinitive oder Nebensätze anzuschließen.
Eine wichtige Besonderheit muss zum Schluss noch besprochen werden. Es geht noch einmal um Nebensätze oder Infinitive, aber diesmal bei Verben mit festen Präpositionen. Vergleichen wir noch einmal:
Ich ärgere mich über das schlechte Wetter.
Ich ärgere mich darüber, dass es ständig regnet.
Im ersten Satz haben wir das normale Satzmuster von ärgern, mit der Präposition über und danach einer Wortgruppe im Akkusativ. Im zweiten Satz haben wir ein ähnliches Muster; jetzt ist aber aus der Präposition über das „Pronominaladverb“ darüber geworden und aus dem Akkusativ ein dass-Satz. Die Besonderheit gegenüber den Konstruktionen im letzten Abschnitt ist also das darüber, das Hinweiswort im Vordersatz. (Anmerkung).
Mit diesen Formen muss man bei (manchen) Verben mit Präpositionen eine Art Signal geben: Achtung, es folgt noch ein Nebensatz/Infinitiv. Bei manchen Verben muss man das immer tun:
(mit etwas rechnen) Ich rechne damit, dass du mir hilfst.
Bei anderen Verben muss man es nicht unbedingt verwenden:
(sich über etwas freuen) Ich freue mich (darüber), dass du mich besuchen kommst.
Sicher sehen Sie gleich, dass man mit diesen Konstruktionen mit Infinitiven und Nebensätzen seine Ausdrucksmöglichkeiten sehr stark erweitert. Wenn mir z.B. Lisa nicht zum Geburtstag gratuliert hat und ich mich geärgert habe: Wie sollte ich das in einem einfachen Satz ausdrücken? Ich kann natürlich zwei Sätze bilden:
Lisa hat mir nicht gratuliert und deshalb habe ich mich geärgert.
Aber besonders elegant ist das nicht. Wenn ich darüber verwende, kann ich dagegen einfach einen Nebensatz als Inhalt von ärgern verwenden:
Ich habe mich sehr darüber geärgert, dass mir Lisa nicht zum Geburtstag gratuliert hat.
Natürlich sind solche Konstruktionen schon ziemlich komplex. Es gibt nicht viele Deutschlerner, die sie schon in der Grundstufe wirklich sicher beherrschen. Vielleicht ist es am besten, wenn man am Anfang nur ein paar Sätze mit solchen Konstruktionen auswendig lernt. Man sollte natürlich besonders häufig verwendete Verben benutzen. Hier zum Schluss noch ein paar Vorschläge. Schreiben Sie die Sätze auf Karteikarten, übersetzen Sie sie in Ihre Muttersprache und arbeiten Sie damit.
Ich habe mich ziemlich darüber geärgert, dass er meinen Brief nicht beantwortet hat.
Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass sie mich im Krankenhaus besucht hat.
Sie hat sich nicht einmal dafür bedankt, dass ich sie nach Hause gebracht habe.
Er hat sich darüber beschwert, dass ich seine Hausaufgaben noch nicht korrigiert habe.
Sie hat mich (darum) gebeten, sie nach Hause zu bringen.
Hast du daran gedacht, die Heizung auszumachen?
Hat er sich dafür entschuldigt, dass er deine CD kaputtgemacht hat?
Ich kann mich nicht (daran) erinnern, wo ich sie schon einmal gesehen habe.
Sie interessiert sich nicht dafür, was du von ihr denkst.
Er kümmert sich nicht darum, was andere von ihm sagen.
Sicher kennen Sie diese Formen schon aus einem anderen Zusammenhang. Man verwendet sie ja in bestimmten Fällen anstelle der Personalpronomen, nämlich bei Verben mit Präpositionen, wenn man sich auf Dinge oder Sachverhalte (im Gegensatz zu Personen) bezieht:
Denkst du oft an Lisa? - Ich denke oft an sie.
Denkst du noch oft an den Unfall? - Manchmal denke ich noch daran.
01.01.2009 | http://www.d-seite.de | impressum