Akzent: Englisch vs. Deutsch

Eine selten erwähnte, trotzdem nützliche translinguale Regel.

Die Aussprache wird im DaF-Unterricht leider nicht so ernstgenommen, wie es nötig wäre. Vor allem wird einer der wichtigsten Ausspracheparameter, die Wortbetonung, zu wenig geübt. Das hat auch grammatische Konsequenzen. Probieren Sie’s aus. Bilden Sie die Partizipia 2 von unterhalten, widersprechen, untergehen, wiedersehen. Hier die Lösung:

unterhalten, widersprochen, untergegangen, wiedergesehen

Falls Sie Fehler gemacht haben: diese hätten sich vielleicht vermeiden lassen, wenn Ihnen die Akzentregeln klar wären. Die hinten betonten Verben sind untrennbar, also auch kein -ge fürs Partizip; die vorne betonten sind trennbar, also -ge-Einschub. Es ist im Prinzip nicht anders als bei verkaufen vs. einkaufen. Achten Sie in Zukunft sehr genau auf die Betonung von Präfixverben und versuchen Sie, diese sehr deutlich zu realisieren: einkaufen vs. verkaufen; untergehen vs. unterhalten, widersprechen vs. wiedersehen.

Wortbetonung muss aber nicht unbedingt mit der Grammatik in Beziehung stehen, um wichtig zu sein. Ganz allgemein gilt, dass fehlbetonte Wörter leicht miss- oder gar nicht verstanden werden. Deutsche Ohren fokussieren auf Akzent; wenn der falsch sitzt, geraten sie in Verwirrung. Ich bin neulich auf der Straße nach dem Frankfurter Tor gefragt worden und musste dreimal nachfragen, um zu verstehen, dass es ums Frankfurter Tor ging.

Wir befassen uns noch mit einer speziellen Sorte Wörter, nämlich mit Fremdwörtern gleichen Ursprungs im Englischen und Deutschen. Deren Akzentuierung unterscheidet sich fast regelmäßig. Vergleichen Sie:

family – Familie
student – Student
university – Universität
problem – Problem

Sie finden sicher selbst noch sehr viele Beispiele – und vielleicht auch ein paar Gegenbeispiele, wie etwa professor – Professor oder sogar Japan – Japan. Aber in der ganz großen Mehrheit der Fälle gibt es tatsächlich eine Art Regel, die besagt: Der deutsche Akzent wandert, vom englischen Wort her gesehen, nach hinten.

Die Regel ist nützlich, weil zu den betroffenen Wörtern, wie oben zu sehen, sehr frequente gehören, bei denen Fehlbetonungen sehr stören.

Und grundsätzlich noch einmal: Achten Sie mehr auf Aussprache, und ganz besonders auf gute, deutliche Betonung. Im Unterricht ist dafür oft nicht genug Zeit, oder nimmt man sich nicht genug Zeit; in den Lehrbüchern finden Sie, leider wieder einmal, viel mehr unwichtigen Unfug als Nützliches zum Thema.

-> ATL: Philosophie vs. Philosophy

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.