Sind Kinder Menschen?

Der vielkritisierte deutsche Gesundheitsminister wurde heute, von einem deutschen Theologen, schon wieder kritisiert, und zwar dafür, dass er „allen Menschen“ einen Impftermin bis zu einem bestimmten Datum versprochen hat. Was es daran wohl zu kritisieren gibt? Wir nähern uns der Antwort auf diese Frage, und unserem Kommentar dazu, auf einem kleinen Umweg.

Stellen Sie sich vor, Sie hören im Radio, wo Sie gerade die theologische Kritik gehört haben, folgenden Verkehrshinweis:

Vorsicht auf der B9 hinter Rattenbach, es sind Menschen auf der Fahrbahn.

Verkehrsfunk

Und erfahren dann irgendwie, dass es sich bei diesen Menschen um fünf Kinder im Alter zwischen sieben und elf Jahren gehandelt hat. Wären Sie überrascht? Ich war’s, hatte ich doch an Menschen – d.h. erwachsene Menschen – gedacht, nicht an Kinder. Aber vielleicht sind Sie nicht überzeugt, können meine semantischen Intuitionen nicht nachvollziehen? Konstruieren wir überzeugendere Beispiele.

Auf dem Spielplatz nebenan sind einige Menschen, die einen fürchterlichen Radau veranstalten.

(Ich denke an randalierende Jugendliche, die da eigentlich nicht hingehören, nicht an spielende Kinder.)

Ein Mensch wurde aus dem Kreißsaal getragen.

(Ist der Papa ohnmächtig geworden?)

In der Kita sitzen 10 Menschen um einen Tisch und spielen.

(Wieso sind so viele Menschen in der Kita? Und gar keine Kinder?)

Schon gut, sagen Sie, wir haben kapiert, worauf das hinaussoll. Sie wollen uns überzeugen, dass zwar Kinder unbestreitbar Menschen sind, aber „Menschen“ einfach keine Kinder sein wollen. Es ist sicher nicht schwer zu erklären. Wenn ich sage: Guck mal, da sitzt ein Tier, wird niemand eine Katze erwarten, weil ich sonst: Guck mal, da sitzt eine Katze hätte sagen sollen. Und von Menschen spricht man eben dann, wenn es nicht auf irgendeine Bestimmtheit derselben ankommt, sondern nur auf die Abgrenzung von anderen Klassen von Gegenständen – Autos z.B.

Von diesen Beobachtungen ausgehend würden wir in drei weiteren Absätzen die sprachliche Genderisierungs-Debatte ein für allemal erledigt haben, wenn nicht unser Thema ein anderes wäre. Wissen Sie, worum es geht? Was hat der Gesundheitsminister schon wieder vermasselt?

Er hat verkündet, man könne allen Menschen ein Impfangebot machen, wo’s doch noch gar keine verantwortbare Impfung für Kinder gibt. Was mit wirklich größerer Berechtigung als mancher (aber lange nicht jeder) genderistische Missgriff zu brandmarken ist und was eigentlich auch einem Nicht-Theologen hätte auffallen können.

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