Was ist Jesus?

Dass die Deutschen ziemlich wenig über den Islam wissen, haben Sie – als hier lebende Muslime – sicher schon herausgefunden. Das ist aber nicht die einzige bedauerliche Wissenslücke auf dem weiten Feld des Religiösen. Denn auch die hierher zugewanderten Nicht-Christen sind oft ziemlich schlecht über die christliche Religion informiert; und den Deutschen (und anderen Westler) fehlt heute manchmal schon das basalste Grundwissen über ihre eigene Religion. Ein paar Belege für alles und eine Konklusion.

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Vergleiche

Cicero
Cicero-Büste

Ein Problem der DaF-(Lehrwerk-)Grammatik ist ihr Konservatismus (freundlich ausgedrückt). Vieles darin schmeckt irgendwie noch nach Lateinunterricht, nach einer zweitausend Jahre alten „Schulgrammatik“. Man findet darin keine Entwicklung, keine originellen Ansätze; nicht einmal da, wo die tradierte Darstellung Fehler geradezu provoziert.

Ein Beispiel ist die grammatische Realisierung von Vergleichen. Fragt man in einem B-2-Kurs Gleichsetzungskonstruktionen ab, erhält man fast immer falsche Antworten. Probieren Sie’s selbst. Wie formuliert man Folgendes elegant als Vergleich?

Glauco92, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

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Lokamote

Wenn Sie im Unterricht immer gut aufgepasst haben, müssten Sie sich über folgenden Satz wundern:

Ich hab in Italien wegen der häufigen Restaurantbesuche in drei Wochen zwei Kilo zugenommen.

Warum wundern? Weil es nicht ins „tekamolo“-Schema passt, das bei Deutschlehrern so beliebt ist, dass sie es stunden- und tagelang erklären und üben lassen. Und hier wie so oft in DaF wundert man sich, dass niemand bemerkt, dass es erstens oft nicht stimmt und dass es zweitens ziemlich nutzlos ist.

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Die „Adjektivdeklination“ ist lernbar (1)

Die „Adjektivdeklination“, das Schema der Formen von Artikelwörtern und Adjektiven in der Nomengruppe, ist lernbar. Dafür sind nicht nur deutsche Muttersprachler ein (etwas unfairer) Beweis, sondern auch die paar Deutschlernenden, die es tatsächlich geschafft haben.

Was aber nicht bedeutet, dass die Adjektivdeklination in der Form lernbar ist, in der sie gewöhnlich präsentiert wird. Nämlich in drei Tabellen, einer für den bestimmten, einer für den unbestimmten und einer für den Nullartikel, ingesamt ein paar Dutzend Tabellenkästchen. Die Behandlung der Adjektivdeklination ist einer der traurigsten Beweise für die methodische Einfalt und Gedankenlosigkeit der heute praktizierten DaF-Didaktik.

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Wörter lernen

Wie lernt man am besten Wörter, und welche Wörter soll man lernen? Ein paar knappe Bemerkungen zu zwei für den Lernerfolg entscheidenden Fragen.

Die zweite Frage werden Sie vielleicht merkwürdig finden. Wenn man eine Sprache gut lernen will, sollte man natürlich alle Wörter dieser Sprache lernen. Wie viele Wörter gibt es aber? Der Wortschatz von Goethe, unserem ‚Nationaldichter‘, liegt bei knapp 100 000. Für den Alltag reichen aber schon ein paar tausend. Um Zeitung lesen zu können, brauchen Sie vielleicht fünf- oder sechstausend, je nach Niveau der Texte. Aber wenn es fünftausend Wörter wären, die man verstehen und vielleicht verwenden können muss (z.B. um eine B-2- oder C-1-Prüfung zu bestehen): ist das nun viel oder wenig?

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Was ist Goethe?

Liebe Deutschlernende, wenn Sie diese Frage – Was ist Goethe? – irgendwie komisch finden, weil Sie meinen, man sollte besser „Wer ist Goethe?“ fragen, dann freut mich das. Wenn Ihnen die Frage aber ganz normal und auch sehr berechtigt erscheint, weil Sie keine Ahnung haben, was Goethe ist, bin ich auch nicht böse. Jedenfalls nicht mit Ihnen.

Sondern mit DaF in Deutschland (in DACH). Aber darüber unterhalten wir uns später. Zunächst über Goethe.

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Was ist telc?

Ich weiß nicht genau. Ich weiß nur, das telc THE European Language Certificate ist. Das hat uns unsere nette von telc beauftragte Schulungsleiterin erzählt. Schmunzelnd. Wir auch. Obwohl man dann eigentlich thelc sagen müsste.

Aber sonst weiß ich nichts von telc. Ich weiß nicht, wer, wo und wie telc ist, und am allerwenigsten: warum telc ist.

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Feuilleton

Neulich habe ich dem Kurs erklärt, was Feuilleton bzw. Feuilletonsprache ist und wo der Unterschied zu beispielsweise populärwissenschaftlichen Sachtexten liegt. Zum Glück war es ein Deutschkurs auf Niveau B2, mit Leuten, die im Leben noch nie was Feuilletonistisches gelesen haben, überhaupt nie eine Zeitung in die Hand nehmen, dem ich diese Dinge erklären musste, denn sie haben schnell alles verstanden. Hätte es sich um eine Versammlung von DaF-Lehrwerk-AutorInnen gehandelt, wäre ich jetzt noch nicht fertig mit Erklären.

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Akzent: Englisch vs. Deutsch

Die Aussprache wird im DaF-Unterricht leider nicht so ernstgenommen, wie es nötig wäre. Vor allem wird einer der wichtigsten Ausspracheparameter, die Wortbetonung, zu wenig geübt. Das hat auch grammatische Konsequenzen. Probieren Sie’s aus. Bilden Sie die Partizipia 2 von unterhalten, widersprechen, untergehen, wiedersehen. Hier die Lösung:

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Schwer und schwierig

Jeder Kurs, der etwas auf sich hält, fühlt einem neuen Lehrer erst mal auf den Zahn. Man will wissen, mit wem man es zu tun hat und ob er oder sie was kann. Außerdem verführt die Anhänglichkeit an frühere Lehrer zu anfänglicher Widerborstigkeit gegenüber dem Neuen. Jedenfalls gibt es in den ersten Tagen in einem neuen Kurs immer irgendwelche Tests zu bestehen. Manchmal reine Autoritätsaustestungen, meistens aber Wissenstests. Bei solchen Gelegenheiten erfährt dann der Neue, was sein Kurs bei Kolleginnen und Kollegen gelernt hat, denn gegen deren Weisheit muss er ja nun gewöhnlich antreten. „Mein Lehrer hat aber gesagt, dass …“.

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