Was ist ein Spießer?

Über einen vielleicht nicht nur deutschen Typus und die Schwierigkeit, ihn zu identifizieren.

Was ein Spießer ist, ist eigentlich keine sehr wichtige Frage, aber doch eine lehrreiche. Es lässt sich daran zeigen, wie schwer es sein kann, sich in einer fremden Kultur begrifflich zu orientieren.

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Zauberspruch

Was tun Sie, wenn ein Feind Ihre Freunde gefangen hat? Kennen Sie einen guten Zauberspruch, um sie zu befreien? Wenn nicht, versuchen Sie es mit diesem:

Eiris sazun idisi, sazun hera duoder,
suma hapt heptidun, suma heri lezidun,
suma clubodun umbi cuoniouuidi:
insprinc haptbandun, inuar uigandun!

(Alte Hexen)
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Vergleiche

Cicero
Cicero-Büste

Ein Problem der DaF-(Lehrwerk-)Grammatik ist ihr Konservatismus (freundlich ausgedrückt). Vieles darin schmeckt irgendwie noch nach Lateinunterricht, nach einer zweitausend Jahre alten „Schulgrammatik“. Man findet darin keine Entwicklung, keine originellen Ansätze; nicht einmal da, wo die tradierte Darstellung Fehler geradezu provoziert.

Ein Beispiel ist die grammatische Realisierung von Vergleichen. Fragt man in einem B-2-Kurs Gleichsetzungskonstruktionen ab, erhält man fast immer falsche Antworten. Probieren Sie’s selbst. Wie formuliert man Folgendes elegant als Vergleich?

Glauco92, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

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Lokamote

Wenn Sie im Unterricht immer gut aufgepasst haben, müssten Sie sich über folgenden Satz wundern:

Ich hab in Italien wegen der häufigen Restaurantbesuche in drei Wochen zwei Kilo zugenommen.

Warum wundern? Weil es nicht ins „tekamolo“-Schema passt, das bei Deutschlehrern so beliebt ist, dass sie es stunden- und tagelang erklären und üben lassen. Und hier wie so oft in DaF wundert man sich, dass niemand bemerkt, dass es erstens oft nicht stimmt und dass es zweitens ziemlich nutzlos ist.

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Montaigne Mutmaßungen

Es heißt, seine eigenen Mutmaßungen sehr hoch einschätzen, wenn man ihretwegen einen Menschen bei lebendigem Leib verbrennen läßt.

Montaigne

Kommentar

Montaigne lebte im späteren 16. Jahrhundert, als die Hexenverfolgungen in Europa ihren Höhepunkt erreichten. Waren die Hexenjäger wirklich immer ganz sicher, dass ihre Opfer Hexen waren? Oder mussten sie ihre Überzeugungen nicht als bloße „Mutmaßungen“, also Annahmen, erkennen, derentwegen man nicht andere Menschen zu Tode bringen darf?

Autor und Werk

Michel de Montaigne, 1533-1592

Hitler spricht ein Wort falsch aus

Über wichtige Regeln zur Aussprache deutscher Vokale – und weshalb Hitler sich nicht immer daran hielt.

Sie wissen (hoffentlich), dass man bei der Aussprache der deutschen Vokale auf die Länge achten muss. Das e in wen ist lang, in wenn kurz; hassen hat kurzes a, Hasen langes. Es ist gar nicht selten, dass sich, wie in diesen Beispielen, zwei Wörter (fast) nur durch die Länge des betonten Vokals unterscheiden. Man wird also leicht missverstanden, wenn man nicht aufpasst. Und Lehrer müssen immer wieder an das Problem mit der Vokallänge erinnern, weil es in vielen Sprachen nichts Vergleichbares gibt. Genauer: es gibt die langen Vokale nicht, weshalb der übliche Fehler kurze Aussprache langer Vokale ist.

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