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Freiheit und Wahrheit

Mit der Französischen Revolution schienen die Freiheit und die Wahrheit gesiegt zu haben. Aber fünfzig Jahre danach:

Seit der Französischen Revolution läuft die Geschichte nun über ein halbes Jahrhundert, und wir haben es dahin gebracht, dass fast überall die Freiheit Hochverrat und die Wahrheit Ketzerei ist. Die Welt muss die Freiheit gegen die Herren und die Wahrheit gegen die Unwissenden wieder zu Ehren bringen.

Arnold Ruge

Kommentar

Aber wie stehen die Chancen?

Wird sie es vermögen? Wer sollte nicht zweifelhaft werden, in Zeiten wie die unsrigen?

Und in Zeiten wie die unsrigen? Die vielleicht nicht so unähnlich sind? Fällt Ihnen etwas ein, was Anlass zur Hoffnung geben könnte?

Autor und Werk

Arnold Ruge, 1802-1880

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Ist Homosexualität unnatürlich?

„Natürlich“ kann vieles, sozusagen alles Mögliche bedeuten. Im vorliegenden Kontext der Homosexualität kommen sicher vor allem zwei Interpretationen in Betracht.

1) Gewisse Organe von Mann und Frau sind offenkundig aufeinander abgestimmt oder bezogen, das männliche hat sozusagen seinen natürlichen Einsatz- oder Bestimmungsort beim weiblichen. Außerdem hat der an diesem Ort vollzogene Akt seine naturgegebene Zweckbestimmung, eben die der Fortpflanzung. Mehr unbezweifelbare „Natürlichkeit“ geht fast nicht. Mit einem Hammer schlägt man Nägel in die Wand …

Andererseits sind die Beine genauso offenkundig zum Gehen da, aber man kann damit auch joggen (wahrscheinlich die unnatürlichste Aktivität auf diesem Planeten, die keinem (anderen) Tier je in den Sinn käme), tanzen oder Fußbälle irgendwohin kicken. Der Mensch nutzt eben auch seine natürliche Ausstattung sehr kreativ.

2) Argument: Das gibt’s in der „Natur“ nicht. Stimmt aber nicht. Das Letzte, was mir zu Ohren kam (und in einem Video vor Augen), waren vögelnde Bonobo-Weibchen (das sind eine Art Schimpansen, also sehr nahe Verwandte von uns).

Abgesehen davon gibt es z.B. große Spinnenweibchen, die ihre kleinen Spinnenmännchen nach dem Sex auffressen, woran wir uns auch kein Vorbild nehmen wollen. (Jedenfalls wir Menschenmännchen nicht.)

Überhaupt sind wir Menschen und brauchen weder bei Affen noch bei Spinnen anzufragen, wie wir uns zu benehmen haben. Und schließlich gibt es in der Natur keine Autos, nicht mal das Rad als Voraussetzung dafür, keine Fernseher, Handys usw.

Schluss

Wenn ich an diesem Punkt angelangt frage, was die Leute jetzt von Homosexualität halten, sagen sie gewöhnlich: Ja, aber Homosexualität ist unnatürlich. Menschen sind eben Kulturwesen, und die Kultur sitzt tief. Tiefer als die „Natur“. Oder meine Argumente sind schlecht.

Nachtrag

Ich bin ja als DaF-Lehrer oft die Verkörperung des „Westens“, der den Menschen aus anderen „Kulturen“ Manieren beibringen will, oder Menschlichkeit und Menschenrecht usw. Eine unbequeme Position und unsympathische Haltung, über die sich viele Menschen von außerhalb des „Westens“, oft auch zu Recht, sehr beklagen. (Zum Beispiel bei Pankaj Mishra gut nachzulesen.) Aber was tun? Solange schwule Palästinenser aus Gaza nach Israel flüchten

Deutschland und Amerika

Wie man früher in Deutschland die USA sah – und wie sich mit Trump alles geändert hat.

Ich kann mich, wie sicher viele Menschen, genau an den Moment erinnern, in dem ich von den Anschlägen des 11. September 2001 in den USA erfahren habe. Ich war gerade aus der Schule nach Hause gekommen, saß mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette am Küchentisch und hörte in den Radio-Nachrichten von den Terrorattacken.

Ebenso gut erinnere ich mich an den nächsten Tag im Kurs. Meine jungen Chinesinnen und Chinesen, daneben ein Teilnehmer aus Syrien, waren ganz aus dem Häuschen vor Freude; am liebsten hätten sie auf den Tischen getanzt und Champagner verspritzt. Endlich hatten auch die Amis, die unbesiegbaren, mal eins draufgekriegt. (Später habe ich herausgefunden, dass viele junge Amerikahasser von dieser Sorte ein Jahr ihres Lebens für eine Greencard geben würden. Was ihr schäbiges Verhalten aber gar nicht besser macht.)

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Corona und der Erlkönig

Upgedatete Interpretation eines berühmten Gedichts.

Der Erlkönig von J. W. Goethe ist eines der bekanntesten deutschen Gedichte und – erfreulicherweise – zugleich eines der auch für Deutschlernende am einfachsten zu verstehenden. Man muss nur vorab ein bisschen seltenen oder veralteten Wortschatz klären und kann dann die TN selbständig mit dem Text arbeiten lassen. Der bietet sich für eine interessante Gruppenaufgabe an.

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Ist Hitler ein Held?

Wie denken die Deutschen heute über Hitler?

Als ich vor einigen Jahren in der VR China arbeitete, habe ich eine junge Chinesin kennengelernt, die für Korea schwärmte. I’m very fond of Corea, sagte sie, woraufhin ich eine Frage stellte, die meiner Gesprächspartnerin ziemlich seltsam erschienen sein muss. Ihnen aber, die Sie über junge Chinesen von heute so wenig wissen wie ich damals, vielleicht nicht. Oder hätten Sie gewusst, welcher der beiden koreanischen Staaten gemeint war? Nämlich?

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Was ist Aufklärung? (1)

Ein Schlüsselbegriff der westlichen Kultur.

Unter Kultur kann man ziemlich Verschiedenes verstehen. In Lehrwerktexten geht es gewöhnlich um die Alltagskultur, von Mittagsschlaf bis Internet, von Essgewohnheiten bis Erziehung, um alles, was uns im täglichen Leben an Sitten und Gebräuchen, an Regeln des Umgangs und Formen der Kommunikation begegnet. Um alles Mögliche, könnte man auch sagen.

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Spuk im Klassenzimmer

Wie man mit ansteckendem Irrationalismus fertig wird – im Klassenzimmer und anderswo.

Die „Wechselpräpositionen“ sind eigentlich kein sehr schwieriges Thema. Das Prinzip ist in ein paar Minuten erklärt. Bestimmte Präpositionen können je nach Funktion zwei Kasus haben: den Akkusativ, wenn sie zu einer Richtungsangabe (wohin?) gehören, den Dativ, wenn sie zu einer Ortsangabe (wo?) gehören. Ich hatte in zwanzig Jahren nie Schwierigkeiten, dem Kurs die Wechselpräpositionen zu erklären. Natürlich muss man dann viel üben, und es kann lange dauern, bis die richtigen Formen auch beim Sprechen schnell abrufbar sind. Aber wie gesagt: zu verstehen gibt es hier wirklich nicht viel.

Nur einmal, ein einziges Mal, war auch dieses Wenige noch zu viel.

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Was ist Fatalismus?

Der Mensch und die höheren Mächte

Fatalismus ist der Glaube, dass man gegen manche unangenehmen Dinge im Leben einfach nichts tun kann. Als Einzelner nicht, gemeinsam mit anderen nicht, als Menschheit nicht. Fatalismus ist der Glaube an die höhere Macht des Schicksals; und so heißt Schicksal nicht zufällig auf Lateinisch fatum.

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„Einen Unterschied machen“

Wörtliche Übersetzungen sind keine Übersetzungen – nicht mal, wenn sie von einem Bundesminister stammen.

Wenn Sie des Englischen mächtig sind, kennen Sie sicher auch den häufig verwendeten Ausdruck to make a difference; und wenn Sie im Deutschen schon fortgeschritten sind, ist Ihnen vielleicht auch die korrekte Übersetzung bekannt: etwas bewirken oder etwas erreichen, oder kontextabhängig auch andere Ausdrücke.

Wenn du als Politiker etwas bewirken / erreichen willst, musst du die Menschen für deine Ideen gewinnen. (If you want to make a difference … )

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Trump und Tunesien

Gibt es eine „moralische Anlage“ im Menschengeschlecht?

Es kommt nicht oft vor, dass ein DaF-Kurs mit der gleichen Zahl von Teilnehmern über die Ziellinie geht, mit der er begonnen hatte. Unterwegs verliert mancher die Lust oder muss aus irgendwelchen Gründen umdisponieren. Aber dass man auf halbem Weg mit nur noch einer Teilnehmerin dasitzt, passiert auch nicht oft. Ich weiß nicht mehr, wie es in meinem Kurs im Herbst 2010 zu einem solchen Schwund gekommen war. An die verbleibende Teilnehmerin erinnere ich mich dafür umso besser, und nicht nur, weil sie zwangsläufig im Zentrum meiner Aufmerksamkeit und Zuwendung stand.

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