Die Juden

Vor 250 Jahren tritt in einem deutschen Drama ein geheimnisvoller Reisender auf, der glaubt, dass es sogar unter den Juden gute Menschen gibt …

Der Reisende: Ihnen die Wahrheit zu gestehen, ich bin kein Freund allgemeiner Urteile über ganze Völker. Ich sollte glauben, dass es unter allen Nationen gute und böse Seelen geben könne. Und unter den Juden –

Lessing

Kommentar

Dieser „Reisende“ hat zuvor einen judenfeindlichen Adligen aus der Gefahr gerettet, wofür ihm dieser aus Dankbarkeit die eigene Tochter zur Frau geben will. Am Ende stellt sich heraus, dass der Reisende selbst ein Jude ist. Aus der Ehe konnte deshalb nichts werden – das war damals noch selbstverständlich. Aber immerhin sind die dummen Vorurteile des Edelmanns gründlich widerlegt.

Diesen Satz „Ich bin kein Freund allgemeiner Urteile über ganze Völker“ kann man auswendig lernen – sicher findet sich dafür gelegentlich Verwendung. Vielleicht lässt er sich sogar in einer mündlichen Prüfung wirkungsvoll einsetzen. (Und man kriegt noch ein paar weltanschauliche Extrapunkte.)

Autor und Werk

Gotthold Ephraim Lessing, 1729-1781

Lessings „Die Juden“ von 1749 (er war erst 20!) ist eines der ersten literarischen Werke, deren menschlich vorbildlicher Protagonist ein Jude ist. Das Stück sollte ein Beitrag zur langsam beginnenden „Judenemanzipation“ sein, also der staatsbürgerlichen Gleichstellung der damals noch in Ghettos lebenden Juden.

-> ATL

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